Warum ist Deutschland trotz hoher Schulden nicht pleite?

Im Moment jagt eine Hiobs-Botschaft die Nächste. Banken gehen Pleite, Notprogramme der Staaten müssen aufgestockt werden und Island spricht sogar von einer drohenden Staatspleite. Aber wie kann ein Staat Pleite gehen? Deutschland hat doch auch eine Unsumme Schulden und ist trotzdem nicht Pleite?

Deutschlands Schulden

Die deutsche Finanzagentur hat ein PDF veröffentlicht, in dem die Schulden Deutschlands aufgelistet sind: PDF Darin werden die Verbindlichkeiten mit über 900 Milliarden Euro beziffert: 922.747.368.453,44 €. Mehr als die Hälfte davon kommen von Bundesanleihen, etwa 591 Milliarden Euro. Zwei weitere große Posten sind Bundesobligationen und Bundesschatzanweisungen mit jeweils 173 und 107 Milliarden Euro. Diese drei Verbindlichkeiten werde es etwas näher beleuchten, um zu verstehen, warum Deutschland mit den Schulden noch nicht Pleite ist.

Bundesanleihen

Bundesanleihen sind Schulden des Staates bei den Bürgern. Der Bürger leiht dem Staat Geld für 10 bis 30 Jahre und bekommt dafür Wertpapiere, die mit einem bestimmten Prozentsatz verzinst werden.

Bundesobligationen

Bundesobligationen haben eine Laufzeit von 5 Jahren und festen Zinssatz. Obligationen werden in Sätzen ausgegeben und sind nur eine bestimmte Zeit zu bekommen. In der Regel 6 Monate. Danach bekommt man die Obligationen nur noch an der Börse und der Staat gibt den nächsten Satz Wertpapiere aus.

Bundesschatzanweisungen

Bundesschatzanweisungen haben eine Laufzeit von 2 Jahren und werden auch mit einem festen Zinssatz vergütet. Schatzanweisungen sind für jeden erwerbbar. Allerdings können nur bestimmte Banken und Institute diese direkt beim Staat kaufen und man muss bei diesen den Kaufauftrag abgeben. Bundeschatzanweisungen werden vierteljährlich ausgegeben.

Pleite?

Wie man sieht, besteht der größte Teil aus Schulden gegenüber den Bürgern (und deren Banken). Und von einem Staatsbankrott, also der Pleite, spricht man, wenn der Staat seine Schulden und die Zinsen dafür nicht mehr aufbringen kann. Da in Deutschland die momentanen jährlichen Steuereinnahmen bei über 500 Milliarden Euro liegen, ist eine Pleite eher unwahrscheinlich, da immer genügend Geld da ist um die laufenden Zinsen zu zahlen. Es müssten schon alle Gläubiger gleichzeitig ihre Anleihen zurückfordern. Das geht aber schon wegen der oben genannten, teilweise sehr langen, Laufzeiten nicht.

Fazit

Es gehört also  schon einiges dazu, um einen Staat in den Bankrott zu treiben. Als erstes müssen die Bürger und Firmen pleite gehen, so dass keine Gelder nachfließen, da keine Steuern mehr gezahlt werden. Erst dann wäre es möglich Pleite zu gehen. Solange also Deutschland zu den wirtschaftlich starken Nationen zählt und alle brav ihre Steuern zahlen, dürfte eigentlich nichts passieren.

Quellen

http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesanleihe

http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesschatzanweisung

http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesobligation

http://de.wikipedia.org/wiki/Steueraufkommen

1 Kommentar

  1. Weihnachtsgeschenk
    Okt 24, 2008

    WIrklich ein gut geschriebener Blog, der in Kürze alles erklärt und auf den Punkt bringt. Wir wissen es, und die Regierung?

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